Am Mittwoch, den 28.10.2009, fand zum ersten Mal das trialogische Psychiatrie-Forum um 19 Uhr in den Räumlichkeiten der VHS in der Alten Waage in Braunschweig statt. Das Thema an diesem Abend sollte sein: "Wer spricht denn da...? - zum Phänomen der Stimmenhörer". Als Referenten waren eingeladen Frau M. (Stimmenhörerin und Expertin in Erfahrung) und Frau Dr. Hofmann (Psychologin/Expertin in Beruf) vom Netzwerk Stimmenhören e.V. aus Berlin. Die Moderation und Begrüßung übernahm Klinikseelsorger i. Ruhestand K. Pieper, der die Einführung mit Zitaten aus der Bibel begann, wo eine Person zum Beispiel die Stimme von dem wieder auferstandenen Jesus vernahm.
Frau M. hörte nach eigener Aussage bereits seit dem Lernen für ihr Abitur drei Stimmen, die sie immer in der dritten Person ansprachen und z. B. auch zur Selbsttötung aufforderten. Nach einer langen Odyssee als Drehtürpatientin in der Psychiatrie kam sie zum Netzwerk Stimmenhören und lernte in der dortigen SHG Stimmenhörer kennen, die gelernt hatten mit dem Stimmen zurechtzukommen, indem sie zum Beispiel mit diesen Sprechzeiten verabredeten. Frau M. erkannte, dass die Stimmen bei ihr immer, in für sie angstbesetzten Situation auftraten. In einer Therapie bearbeitete sie ihre Ängste und mit Unterstützung einer Shamanin fand sie ihre eigene Erklärung für die auftretenden Stimmen. Heute melden sich die Stimmen bei Frau M. viel freundlicher und Frau M. hat es am Mittwoch-Abend geschafft, einen sehr selbstbewusst vorgetragenen und faszinierenden Vortrag zu halten.
Die mitgereiste Expertin in Berufung, Frau Hofmann, berichtete davon, dass es zwar hilfreich sei, wenn die Stimmen verschwenden, dies sei aber nicht immer erklärtes Ziel. So waren bei einer Patienten die Stimmen durch Medikation zum Verstummen gebracht worden. Die Patientin klagte darüber, ihr "Gewissen verloren zu haben" und man reduzierte die Medikation, die Stimmen meldeten sich wieder und die Patientin kam wieder zurecht. Frau Hofmann berichtete ferner, dass es den Betroffenen im Umgang mit dem Stimmenhören hilfreich sei, wenn es ihnen gelänge, eine Erklärung und einen Sinn für das Auftreten der Stimmen zu finden.
Nach den beiden Vorträgen diskutierten Betroffene, Angehörige und Professionelle miteinander in den Sitzreihen in kleinen Gruppen über das Thema. Nach den trialogischen Diskussionen stellte das Publikum noch einige Fragen an Frau M., die diese dann beantwortete. Dr. Schlegel von sozial-psychiatrischen Dienst in Braunschweig erwähnte einen psycho-dynamischen Ansatz für das Auftreten von Stimmen. Beide Referentinnen bemerkten, dass sie diesem Ansatz auch sehr nahe stünden, dass aber auch andere individuelle Erklärungen ihre Berechtigung hätten und wichtig seien.
(Braunschweig, 29.10.2009, Matthias D.)
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