Bericht vom Forum zum Thema "Asperger"
Bericht zum Psychiatrie-Forum vom 11.11.2009:
"Lass mir doch meine Welt...!" - Asperger-Syndrom und andere Formen des Autismus
Zu Beginn der dritten und letzten Veranstaltung des Psychiatrie-Forums in diesem Herbst begrüßte erneut Frau Daniela Kaß von der ambulanten Betreuung des Vereins der Weg pünktlich um 19 Uhr die Zuhörer. Ebenfalls anwesend war Frau Dipl.-Psych. Sylva Schlenker von der Autismusambulanz der Lebenshilfe hier in Braunschweig, die sich seit 20 Jahren mit dem Thema Autismus beschäftigt und nunmehr als Leiterin der Autismusambulanz fungiert.
Vielen ist dieses Thema zum Beispiel aus dem Film Rainman mit Dustin Hofmann und Tom Cruise bekannt und von den besonderen Talenten der Betroffenen, wie zum Beispiel ein ausgeprägtes Gedächtnis, geht eine Faszination aus. Das Wort autismus komm von "autos", was soviel heißt wie "selbst" oder "auf sich selbst bezogen". Frau Schlenker unterschied zunächst die verschiedenen Autismus-Typen wie Kanner, Asperger und dem Highfunctioning und forderte die Zuhörer auf, Fragen zu stellen, sobald diese bei den Zuhörern entstünden. In der ICD ist das Asperger-Syndrom zu finden unter F 84 (= tief greifende Entwicklungsstörungen) und da insbesondere unter F 84.5. Asperger Menschen haben wenige Beziehungen zu Gleichaltrigen, leben oft zurückgezogen in ihren vier Wänden und haben meist keine Arbeit. Der Blickkontakt dieser Menschen sowie ihre Mimik und Gestik ist meist eingeschränkt. Auch zeigen sie keine angemessene Reaktion auf die Reaktionen Anderer, was an einer geringeren Anzahl an Spiegelneuronen bei Asperger-Menschen liegt. Diese Spiegelneuronen dienen dazu, die Gefühle des Gegenüber/Anderen zu wieder zu spiegeln. Oft leiden die Betroffenen an Depressionen, da sie immer wieder an Grenzen stoßen. Frau Schlenker betonte, dass das Verständnis von Humor sei bei diesen Menschen ein Anderes sei.
In der ambulanten Betreuung bekommen Menschen mit dem Asperger-Syndrom eine führende Hand und sie lernen dort Selbstorganisation oder z. B. das Lesen von Mimik. In Gruppen können Jungen zum Beispeil lernen, wie sie Mädchen ansprechen. Auf Anfrage aus dem Zuhörerraum ging Frau Schlenker auf ein von der Lebenshilfe geplantes Konzept ein, bei dem ab Juli 2010 ca. 12 Menschen mit Asperger in einem Haus in einer betreuten Wohngruppe leben sollen.
Zu den Ursachen für die Entstehung von Asperger sprach Frau Schlenker von einer genetisch bedingten Störung. Meist seien im Umfeld eines Asperger-Menschen auch Großeltern oder Onkel und Tanten betroffen und das Verhältnis von Jungs zu Mädchen liegt bei 4 zu 1. Bezügliche der Auffälligkeiten in der Kommunikation dieser Menschen erwähnte Frau Schlenker, das Small-Talk für sie kaum möglich sei, da sie kaum in der Lage seinen, die Perspektive des Anderen einzunehmen. Asperger-Menschen können Dinge schwierig vorhersehen und halten sie sich gerne unter Ihresgleichen auf, denn da gibt es feste Abläufe. Das erstellen von Plänen ist ein großer Teil in der Arbeit mit Asperger-Menschen. Wenn sich in dem Tageslauf bei den Betroffenen etwas ändert, so Frau Schlenker, entstehen meist enorme Ängste und wenn morgen irgendwas anders läuft, ist meist der Rest des Tages im Eimer. In einem beruflichen Umfeld dürfen bei Asperger-Menschen nur wenig Störungen auftreten, was Leistungs- und Zeitdruck ausschließt. Im schulischen Umfeld kommen die Betroffenen wegen der vorgegebenen Abläufe eher besser mit autoritären Lehrern aus. In den letzten Minuten ihres Vortrages beschrieb Frau Schlenker ferner Differentialdiagniosen wie zum Beispiel ADHS, komorbide Störungen wie zum Beispiel eine Depression und ferner die Diagnostik. Bei der Diagnostik sind Vorgeschichte, Anamnese sowie Interviews und Skalen wichtig. Die Prävalenz bzw. Verteilung liegt bei 0,02 bis 0,03 % im Kindesalter.
Auf Anfrage aus dem Zuhörerraum sagte Frau Schlenker, dass in Braunschweig keine Angebote bestehen für Psychotherapie für Erwachsenen Menschen mit Asperger und einen speziell ausgebildeten Arzt gibt es auch nicht. Nächster Anlaufpunkt ist jedoch die MHH in Hannover.
Insgesamt war es ein Abend mit sehr vielen Zwischenfragen aus dem Zuhörerraum und zum Schluss der Veranstaltung bedankte sich Frau Kaß noch bei Frau Schlenker für den anschaulichen und lebendigen Vortrag und verabschiedete die Anwesenden.
Braunschweig, 11.11.2009, Matthias D.