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Bericht vom Forum zum Thema "ADHS"

Psychiatrie-Forum vom 04.11.2009:

"Was bist Du doch für ein nervöses Hemd..."- ADHS im Erwachsenalter

Zu Beginn der Veranstaltung im Speicher der Alten Waage begrüßte Frau Daniela Kaß vom Verein "Der Weg" die anwesenden Gäste sowie den Referenten des Abends und übergab an diesen das Wort. Herr Dr. Cano-Diaz ist niedergelassener Arzt für Allgemeinmedizin und Psychotherapie in Wolfenbüttel, spanischer Herkunft und hat seinen Schwerpunkt auf das Thema ADHS gelegt. In einigen einleitenden Worten sagte Dr. Cano-Diaz, dass wir bei diesem Thema häufig an nervöse und unruhige Kinder und Jugendliche denken und weniger an betroffene Erwachsene. Die Erkrankung sei primär genetisch bedingt und man müsse sich das so vorstellen, als hätten die Betroffenen eine Art Karussell im Kopf, wobei sie von einer neuen Information zu einer anderen neuen Information springen und dabei die alten Informationen nicht abspeichern können. Zwischenmenschliche Signale würden von den Betroffen nicht wahrgenommen, wobei sie meist einen überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten besitzen. Zwar macht eine solche Erkrankung nach Aussage des Referenten im Urwald Sinn, um drohende Gefahren wahrnehmen zu können. Im Informationszeitalter sind die vielen Reize der Umgebung jedoch Gift für die Köpfe.

Zur anschaulichen Unterteilung der verschiedenen Typen zog Dr. Cano-Diaz das Buch "der Struwelpeter" heran. So ist der Zappelphilipp ein gutes Beispiel für den impulsiven und aggressiven Typus und der Hans-Guck-in-die-Luft ein gutes Beispiel für den introvertierten und träumerischen Typus, der außerdem auch sehr intelligent und erfinderisch sein kann. Das Thema des Abends verkörperte jedoch eher der böse Friedrich.

Die Grundstörung der Krankheit ADHS liegt in einer Störung der Wahrnehmung und in der Informationsverarbeitung, woraus dann die weiteren Merkmale resultieren und sich ein verträumter oder aggressiver Typus entwickelt. Man vermutet eine Stoffwechselstörung im Gehirn der Betroffenen, wobei man sagen kann, dass insgesamt ein niedriger Spiegel an Neurotransmittern vorliegt. Viel ADHS-ler waren Klassenclowns und sie rutschen häufig in eine kriminelles und destruktives Milieu. Fast nie wurden sie akzeptiert und in einer Art Teufelskreis mochte man sie nicht, sie wurden aggressiv und man mochte sie noch weniger. Die Betroffenen neigen zur Sucht, häufig quälen und erpressen sie andere oder schüchtern diese ein. Im Sinne einer Comorbidität tritt neben ADHS häufig die (reaktive) Depression auf, oft als Reaktion auf die Lebensumstände. Tics (Tourette-Syndrom), Ängste und Phobien sowie Süchte treten ebenfalls häufig im Zusammenhang mit ADHS auf. Der Typ Träumer neigt weniger zu Süchten, jedoch kommt es bei dem aggressiven Typus häufig zu Selbstmedikation mit Cannabis, Kokain und Nikoton. Kettenraucher, so Dr. Cano-Diaz, seien fast immer ADS-ler !!! Die Betroffenen sind häufig wenig selbstbewusst, können nicht gut reflektieren oder Nein sagen und bürgen sich dann zu viel auf. Meist handeln sie aus dem Bauch heraus und machen keine Planungen.

In der Diagnostik ist die Anamnese, d. h. die Krankheitsvorgeschichte sehr wichtig. Die Kriterien nach DSM und ICD müssen erfüllt sein und andere Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion bei einem Kind müssen ausgeschlossen werden. Weitere Diagnoseinstrumente sind ausführliche Videoaufnahmen und z. B. Konzentrationstest.

In der Pharmakotherapie wird zum Beispiel Methylphenidat (Ritalin) sowie Antidepressiva und neuerdings auch Neuroleptika/Antipsychotika zurückgegriffen. An psychotherapeutischen Verfahren finden die Verhaltenstherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ihre Anwendung. Zum Ende seines Vortrages erwähnte Dr. Cano-Diaz noch einige, zum Teil neudeutsche Abkürzungen zu ADH (HKS, ADD, ADHD) sowie einige Literaturempfehlungen zu dem Thema. Unter der Anleitung der Forumsleitung Daniela K. hatten Betroffene, Angehörige und weitere Helfende nun die Möglichkeit, Fragen an den Referenten zu stellen. Die Fragen zielten ab auf hiesige Therapeuten, Schichtzugehörigkeit der Betroffenen, (Eigen-) Medikation, das Verhältnis von Jungen und Mädchen unter den Betroffene, die Möglichkeit von Coaching und vieles, vieles mehr.
Leider reichte die Zeit nicht mehr, um an diesem Abend in die gewohnten trialogische Diskussionen unter den Besuchern einzusteigen und Frau Kaß beendete um 20.20 Uhr die Veranstaltung.
(Braunschweig, 04.11.2009, Matthias D.)

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